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Worum geht es aus meiner Sicht in glücklichen Beziehungen?

Es geht um funktionierende Beziehungen die nährend und liebevoll sind, in denen man sich unterstützt
und hilft aber auch miteinander über das reden kann, was einem gerade zu
schaffen macht.

Ich weiß nicht wie es Euch geht, doch wenn ich so in meine Umgebung blicke und Paare
beobachte oder KlientInnen mit mir über Ihre Beziehungen sprechen, dann höre ich immer
wieder, wie schwierig es ist, mit dem anderen Geschlecht zu kommunizieren. (leider habe
ich noch kein Gleichgeschlechtliches Beziehungspaar die mir von Ihrer Kommunikation
erzählen).

Was dem gegengeschlechtlichen Paaren eindeutig fehlt (und ich nehme auch mal an den
gleichgeschlechtlichen) sind Vorbilder von Paaren die miteinander eine gute
Kommunikationsform gefunden haben und auch nach außen hin erkennbar ist, dass Sie
glücklich sind in Ihrer Beziehung.

Der Wunsch von allen Menschen mit denen ich gesprochen habe ist eine wertschätzende,
harmonische und liebevolle Beziehung in der man sich gut eingebettet und aufgehoben
fühlt, wo man Luft zum Atmen findet und Raum für die geliebten Eigenheiten.
Doch was macht es, dass jede 2. Ehe geschieden und fast jeder ab einem gewissen Alter
mindestens 1 gescheiterte Beziehung schon erlebt hat?

Aus meiner persönlichen Sicht sind es Dinge die wir einfach bei niemanden haben sehen
oder erfahren können, außer wir hatten die Ausnahme von der Regel in unserem Umfeld,
die uns vorgelebt hat wie es gehen könnte.
Auf 2 Aspekte möchte ich mich da heute besonders fokussieren.
Das eine ist „das Vertrauen können“ und das anderen „das Verzeihen“.
Aus meiner Wahrnehmung ist das Vertrauen neben der Zuneigung zu einer Person die Basis
für eine entwicklungsfähige Beziehung.

Beziehung leben ist ein dynamischer Prozess der jeden Tag aufs Neue beginnt und wir uns
sicher sein können, dass der nächste Tag anders sein wird als der vorherige.
Wenn ich durch die veränderten Umstände des Lebens an meine Grenzen gebracht werde,
ob im Beruf, Beziehung, Selbstverwirklichung etc. dann wäre aus meiner Sicht einer der
innigsten und tiefsten Vertrauensbeweise, wenn ich als Beziehungsteil der an seine Grenzen
kommt mit meinem PartnerIN über das mich reden könnte, was gerade schwierig für mich
ist.

Aus meiner Erfahrung sollte es in so einem Gespräch weniger über das, was mich im Außen
gerade aus der Fassung bringt gehen, als um das, was sich im Inneren an Gedanken,
Gefühlen und Ängsten auftürmt und ich mich vielleicht ohnmächtig, nichts sagend, klein,
ignoriert und unbedeutend fühle.

Das bedarf viel Mut, Unerschrockenheit und Zuversicht sich und seine empfindsame Seele
dem anderen zu zeigen und unsere Unzulänglichkeiten dem Partner oder der Partnerin auf
einem Silbertablett zu präsentieren.

Nun kommt die zweite wesentliche 2. Eigenschaft ins Spiel das Verzeihen. Diese Eigenschaft
sollte jeder der Paarteile für sich und den anderen griffbereit haben. Denn wenn der Partner
sich nun in dieser Weise uns öffnet, dann bedarf es der Großherzigkeit des anderen Teils
Bewertungen außen vor zu lassen und die Fähigkeit, durch das Einfühlen in das Dilemmas, in
dem sich der andere Partner gerade befindet, einen Weg liebevoll wieder heraus zu
entwickeln.

Manchmal ist es ein gemeinsamer Weg und manches Mal der, den die Person für sich allein
vielleicht mit Hilfe einer professionellen Begleitung geht. Doch ohne Bewältigungsstrategie
rutschen diese Themen in den Untergrund und werden sich in der Zukunft in Momenten
zeigen, wenn wir sie am Wenigsten brauchen.

Alles Große in unseren Leben hat einmal klein begonnen und wenn wir uns rechtzeitig um
das Thema kümmern, können wir es auch relativ zügig auflösen.
Das Verzeihen aus innerer Überzeugung gelenkt ist elementar, denn nur wenn wir selber uns
mit einem entspannten Gefühl, somit im Reinen mit unseren Werten sind, können wir eine
Handlung akzeptieren, die aus einer „Notsituation“ heraus entstand. Legen wir unserem
Paartner diese in uns entstandene emotionale „Not“ offen, dann ist es für unser gegenüber
leichter zu verstehen und die Liebe kann dann wieder fließen, wenn gegenseitig verziehen
wurde. Ohne Verständnis, Achtung, Verzeihen und Geduld von beiden Seiten ist ein Fließen
der Liebesenergie blockiert und wir gehen in die Abwehr, Rückzug oder Resignation.

Sich Zeit zu nehmen und mit dem andere zu sprechen, die Gefühlslage aus der persönlichen
Sicht näherzubringen und um Verzeihung zu bitten, falls dadurch Missverständnisse oder
Verletzungen erfolgt sind, sind aus meiner Sicht heraus notwendig, die die Liebe immer
wieder braucht, um sich zu vertiefen und aufs Neue aufblühe zu können.